Warum Loslassen unsere Energie verändert
- koselimke
- vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Stunden

Für mich bedeutet Loslassen nicht: Ich verbanne etwas oder jemanden für immer und ewig aus meinem Leben und schaue nie wieder zurück. Loslassen bedeutet für mich: Ich entscheide mich dafür, den Ist-Zustand zu akzeptieren. Und diese Entscheidung verändert (meist) unsere Energie.
Nehmen wir Werner.
Du bist seit 123 Jahren in Werner verliebt. Werner ist auch in dich verliebt. Werner ist aber auch ’ne Schnarchnase und seit 105 Jahren mit Ursula verheiratet. Werner trennt sich nicht von Ursula, aber auch nicht von dir.
Jetzt lässt du Werner los. Was tust du also? Du akzeptierst die Tatsache, dass er verheiratet und eine Schnarchnase ist und nicht die Eier in der Buchse hat, sich von Ursula zu trennen. Das war’s. Mehr tust du nicht.
Du musst nicht aufhören, Werner zu lieben oder eure Verbindung für immer abschreiben.
Nehmen wir Karl.
Karl ist ’ne heiße Zaubermaus, du stehst auf Karl und Karl steht auf dich. Aber Karl steht nicht zu dir. Karl will keine Beziehung. Karl will Spaß.
Also lässt du los. Nicht Karl. Du akzeptierst, dass Karl eben nicht will. Aus welchen Gründen auch immer.
Nehmen wir Gerd.
Du und Gerd folgt euch auf Insta. Gerd macht Storys. Und zwar für dich. Gerd wird das aber nie zugeben, weil Story-Kommunikation ja nur in den Köpfen von romantisch verklärten Frauen existiert. Sei wie Gerd. Nicht.
Ich denke, ihr könnt mir folgen.
Solange wir versuchen, einen Ist-Zustand innerlich zu verändern, kämpfen wir im Grunde permanent gegen die Realität. Wir hoffen. Wir warten. Wir analysieren jede Nachricht. Wir suchen nach irgendwelchen Zeichen. Wir checken, wann er online war. Wir gucken, welcher neuen „Jackixx25“-Trulla er wieder bei Social Media folgt. Wir überlegen krampfhaft, warum er gestern plötzlich so komisch war und ob das mit der neuen Kellnerin im Café „Friss für zwei, zahl für einen“ zu tun hat. Machen wir uns nichts vor, Ladys: Wir werden zu durchgeknallten Psychopathen! Und natürlich schnallen wir uns auch noch den Push-Up um, damit Karl oder Werner oder Gerd vielleicht ENDLICH erkennt, was ihm da eigentlich entgeht.
Unsere Aufmerksamkeit hängt die ganze Zeit an dieser einen Situation. Und das kostet richtig viel Energie. Wenn wir loslassen, nehmen wir diese Energie wieder zu uns.
Wir sagen: Okay. Der Typ lässt mir zwar den Schlüppa explodieren, aber er ist auch ein Döspaddel. Das ist gerade der Ist-Zustand. Ich akzeptiere das. Und jetzt kümmere ich mich wieder um mein Leben.
Plötzlich ist da wieder Platz. Nicht, weil Werner seine Eier findet. Nicht, weil Karl über Nacht beschließt, dass eine Beziehung mit dir vielleicht doch ganz geil wäre. Sondern weil du aufhörst, deine Energie darauf zu verwenden, etwas im Außen verändern zu wollen. An dem Punkt passiert es: Wenn deine Aufmerksamkeit nicht mehr permanent bei Werner, Karl oder irgendeinem anderen Vollpfosten hängt, hast du plötzlich wieder Kapazität für dich.
Du nimmst wieder wahr, wer dir begegnet, du hast wieder Lust rauszugehen, du flirtest vielleicht sogar wieder, du lachst mehr, du bist nicht mehr permanent damit beschäftigt herauszufinden, was irgendein Mann gerade denkt. Beim Loslassen wird die gebundene Aufmerksamkeit wieder frei. Und das merkt nicht nur dein Kopf, das merkt auch dein Körper.
Wenn wir an etwas festhalten, sind wir oft angespannt. Und ganz ehrlich: Dieses Verkniffene sieht man uns auch an. Wir lächeln weniger, schauen weniger freundlich, wirken gehetzt oder abwesend. Festhalten bringt Falten, spröde Haare, fahle Haut und ’nen Hängearsch. (Ist nicht wissenschaftlich bewiesen, aber ich glaube dran). Lassen wir los, werden wir wieder lockerer, leichter, offener, fröhlicher, freundlicher.
Kurzer Einblick in mein Nähkästchen:
Ich kenne die ein oder andere „Seelenpartner“-Liebes-Coachin. Die haben alle die besten Tipps und Tricks parat, übers Loslassen, Loslass-Sonnenfinsternis-Mondrituale, Loslasse-Tee, Heilstein-Loslass-Bongotrommeln und wie du dein schönstes Leben ohne ihn lebst, und wisst ihr was? Die plärren auch alle ihrem Dieter hinterher. So läuft es eben. Machen wir uns nichts vor. Was ich euch noch sagen kann: Loslassen bzw. Akzeptieren und das Leben weiterleben klappt immer besser, je mehr man es übt und je mehr man sich selbst im Fokus hat. Aber deshalb muss ich nicht so tun, als fände ich ihn plötzlich doof und hässlich oder als wäre es mir egal.
Loslassen bedeutet also nicht, dass du jemanden nicht mehr lieben, mögen, anhimmeln oder vermissen darfst. Es bedeutet nicht, dass du nicht traurig darüber sein darfst, was evtl. hätte sein können. Es bedeutet nicht, dass du eine Verbindung für immer beenden musst. Und es bedeutet auch nicht, dass du nie wieder zurückschauen darfst. Loslassen bedeutet, dass du wieder offen dafür wirst, was kommen möchte.




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