Body Positivity - Trend oder Trauma?
- koselimke
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Ich schreibe heute über ein Thema, das uns mehr oder minder wohl alle bewegt, was vordergründig daran liegt, dass wir alle einen Körper haben und uns irgendwie damit beschäftigen.
Wir leben in einer Zeit, in der Body Positivity sehr groß geschrieben wird. Ich persönlich finde das richtig gut und halte an sich sehr viel davon. Es darf endlich normalisiert werden, dass 90 % der Menschheit eben ganz „normale“ Körper hat. Wie wundervoll ist bitte die Vielfalt an Körperformen und Hautfarben und wie langweilig wäre die Welt ohne sie?!
Besonders wichtig ist das Thema für uns Frauen. Wir dürfen wissen, dass wir alle Cellulite haben, Haare am Körper, Pickel am Po und Falten im Gesicht. Wir kommen nicht glatt rasiert und dellenfrei auf diese Welt. Deshalb feiere ich alle Frauen, die auf Social Media ihren Cellulite-Poppes in die Kamera halten oder ihren Damenbart zeigen.
Wenn ich dann Kommentare von grenzdebilen Typen lese, die hohle Kritik üben, könnte ich regelmäßig aus dem Höschen hüpfen. An dieser Stelle übrigens mal ein kleiner Reminder an die Gehirn-Ottos dieser Welt: Eure Klöten sind mit ansteigendem Alter auch nicht unbedingt aufreizender anzuschauen. Wollte es nur mal gesagt haben.
Trotzdem bin ich genauso der Meinung, dass auch normalisiert werden darf, dass wir uns nicht immer schön und wohl in unserem Körper fühlen. Auch nicht die Frauen, die ihren Körper mit allen Rollen in die Kamera halten, um aufzuklären, wie Frauenkörper aussehen, oder die Frauen, die drei Gurkenscheiben am Tag fressen und sich zu Tode sporteln.
Auch das Älterwerden bringt so seine Tücken. Eine Heidi Klum wird in der Presse zerrissen, weil sie nicht mehr aussieht wie fünfundzwanzig und die "normale" Frau von Heute? Kann sich im Grunde dann doch direkt erhängen. Unsere Körper verändern sich, und manchmal finde ich das massiv beschissen. Ab 39 wurde ich bombardiert mit Werbung gegen meinen nahenden Truthahnhals. Plötzlich stand ich täglich argwöhnisch vorm Spiegel, habe meine Halshaut begutachtet und ihr dabei zugesehen, wie sie sich darauf vorbereitet, sich in die ewigen Jagdgründe zu verabschieden. Es kommt wirklich keine Freude auf, wenn du beim Sexualverkehr on top bist und jetzt nicht nur versuchst, die Wampe einzuziehen, sondern noch Angst haben musst, den Adonis unter dir mit deiner herabstürzenden Halshaut zu ersticken.
Genauso normal ist es, dass wir andere Menschen bewerten. Wenn ich eine rundlichere Frau sehe, die bauchfrei trägt, ist mir das egal. Aber an manchen Tagen, und zu 99% sind das meine eigenen „Ich bin verunsichert wegen meines Aussehens“- Tage, denke ich kurz: Krass, dass sie sich das traut. Und zack, meldet sich meine innere Body-Shaming-Polizei. Aber ganz ehrlich: Du bist kein schlechter Mensch, nur weil du hin und wieder solche Gedanken hast. Denn auch diese Gedanken sind durch eine verkorkste Gesellschaft antrainiert worden und dürfen erst wieder verlernt werden.
Zudem haben wir alle einen ganz unterschiedlichen Geschmack und das ist auch gut so. Frauen dürfen sich künstliche Nägel draufkleben und mit Extensions ihre Haare verdichten, und ich darf sagen, dass es nicht mein Geschmack ist. Ich darf naturpur herumrennen und Ursel darf sich denken: „Na, Mäuschen, wenn du ein bisschen nachhelfen würdest, wäre schon nice!“
Ich denke, wir dürfen alle mal ganz entspannt durch die Buchse atmen. Es gibt definitiv Wichtigeres als unser Aussehen. Gesundheit zum Beispiel ist eine tolle Sache oder auch ein schöner Charakter. Aber es ist auch völlig nachvollziehbar, dass wir den Wunsch verspüren, schön sein zu wollen, und uns das Thema beschäftigt, egal ob Männlein oder Weiblein. Ich habe Männer kennengelernt, bei deren Anblick ich Engel singen gehört habe, und die waren der festen Überzeugung, auszusehen wie Jabba the Hutt. Unsicherheit gibt es bei jedem Geschlecht.
Ich möchte mich einfach schön fühlen, wohl in meiner Haut und gerne auch für andere als schön wahrgenommen werden. Ganz einfache Kiste. Ich möchte, dass Männer, als mein sexuell bevorzugtes Geschlecht, wenn sie mich sehen, nicht in die Ecke kotzen. In deren Köpfen soll gefälligst „The Most Beautiful Girl In The World“ von Prince laufen, während ich krüppelfüßig mit meinem Fersensporn an ihnen vorbeihumpele und meine Jeans am Bauch kneift.
Charakterficken ist eine tolle Sache, aber ich möchte trotzdem, dass Heinz-Dieter mich sieht, ihm die Herzen aus den Augen fliegen und er dem Herrgott dafür dankt, dass er mich erschaffen hat und er mich nackend sehen darf. So! Ich möchte nicht, dass er sich bei meinem entblößten Körper denkt: „Naja, aber sie ist immerhin nett“, tief durchatmet und dann seine hängenden Klöten aus den Untiefen seiner Buchse ans Tageslicht befördert.




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