top of page

Ups, I did it again

So, jetzt fragt ihr euch schon: Ach du grüne Neune … was kommt jetzt?


Ich hab mich bei Tinder angemeldet. Nochmal. Ganze drei Tage habe ich es geschafft.

Hab Milan kennengelernt. Süß. Lieb. Ich bin ehrlich: Ich hab schon gedacht, Milan und ich würden Stunden der Glückseligkeit verbringen und uns gegenseitig mit Weintrauben füttern. Dann hat er mich gefragt, ob er mein Sklave sein darf. Er möchte, dass ich ihn am Halsband Gassi führe und erniedrige. Die weiteren Details erspare ich euch.


Der Text heute geht raus an die Männerwelt, mit der dringlichen Frage: Was ist mit euch? Seid ihr bekloppt oder bin’s am Ende doch ich? Und vorab: Liebe Männer: Nehmt es mit Humor. Fühlt euch nicht immer gleich auf den Schlips getreten. Und wenn doch, dann darf man(n) sich an der Stelle hinterfragen, warum einen das so triggert.


Ich sachs ganz ehrlich: Nach meiner Trennung habe ich gedacht: Jetzt kommt meine Zeit. Ich bin die perfekte Frau für all die emotional verkrüppelten Mäuse dieser Welt, die – genau wie ich – aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage sind, sich auf eine Person ernsthaft einzulassen: Optisch noch ganz gut erhalten, nicht mehr auf der Suche nach Eheglück und Kindern, gut beschäftigt mit meinem eigenen Leben und definitiv nicht bereit für ’ne feste Bindung. Super! Ich freu mich auf die ganzen Männers da draußen, die auch lieber ihr Leben allein fristen, anstatt sich auf jemanden ernsthaft einzulassen. Ich konnte nicht ahnen, dass denen allen gar nicht klar ist, dass sie emotional verkrüppelt sind. Ich bin davon ausgegangen, man(n) weiß das. Aber die wissen das nicht bzw. die wollen das gar nicht wissen. Die möchten in ihrem Luftschloss leben und sagen Dinge wie: „Nö, ich hab keinen Schiss. Ich hab nur viel zu tun, den Goldhamster meiner kleinen Schwester zu versorgen, deshalb habe ich keine Zeit für ’ne Freundin.“


Wisst ihr, ich dachte, man gibt sich gegenseitig ’nen High Five zur Begrüßung im Club der Schisser und sagt dann:


„Und warum kriegst du es nicht geregelt?“


Er: „Ich bin noch nicht über meine Ex hinweg, hoffe noch immer, dass sie zu mir zurück kommt.“


Ich: „Ach, kenn ich … das hab ich hinter mir, aber ich hatte ne schwere Kindheit und Liebe macht mir Angst.“


Er: „Ja, krass.“


Ich: „Ja.“


Dann lacht man und trinkt nen Matcha aus einem Strohhalm, gaukelt sich ’nen Moment von Nähe vor und redet danach nie wieder miteinander. Ey, kommt. Das ist immer noch besser, als Menschen, die jahrelang unglücklich in Beziehungen verweilen, nur weil sie Angst vorm Alleinsein haben.


Aber so läuft das heute nicht. Heute belügt man sich lieber selbst und damit automatisch auch alle anderen. Und dann komme ich und versaue den armen Männern jede Illusion.


Manchmal denke ich:


Was andere in meinem Alter machen: Wohnungen kaufen, um sie zu vermieten. Altersvorsorge. ETFs. Vernünftige Investitionen.


Was ich mache: Ich hab mir ein T-Shirt gekauft. Darauf ist David Hasselhoff mit einem Bierglas in der Hand und darunter steht: „Ich seh was, was du nicht siehst. Nämlich gut aus.“ Das ziehe ich an und wenn ich richtig wild drauf bin, höre ich dabei noch „Looking for Freedom“.


Das geht übrigens auch raus an die Männer, die mir nachts schreiben und fragen, was ich anhabe.


Das.


Und mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ist da auch noch ein Zahnpastafleck drauf. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass manche der Vorstellung erliegen, ich würde mich nachts im Negligé auf dem Bett räkeln. Nope. Ich bin die, die im David-Hasselhoff-Shirt durch die Wohnung läuft und überlegt, ob sie sich noch ’ne Tüte Chips reinpfeifen soll. Bitte verabschiedet euch von euren Fantasien, in denen ich heiß und sexy bin, und lasst mich in Ruhe hässlich sein. Danke. Tschüssen.


Und wo wir gerade dabei sind … Ich liebe ja auch diese Nachrichten um 3:07 Uhr: „Was machst du?“ Jerome … was, glaubst du, mache ich? Ich spiele Schach mit einem Großmeister und bereite nebenbei meine Rede für den Friedensnobelpreis vor. Ich schlafe! Herr im Himmel! Und falls ich ausnahmsweise doch mal um die Uhrzeit wach bin, kriege ich einen halben Nervenzusammenbruch, weil ich genau weiß, dass ich am nächsten Tag rumrennen werde wie ein angeschossener Pandabär.

Ich weiß, was du um die Uhrzeit machst, lieber Jerome. Du bist auf der Suche nach einer sexy Zaubermaus, die im Negligé auf dich wartet. Ja … da biste bei mir an der falschen Adresse. Ich bin 1.000 Jahre alt. Ich bin müde. Immer. Checkst du?


Warum wollen Männer heutzutage eigentlich immer erst um 23 Uhr vorbeikommen? Die schreiben: „Was machst du? Ich komm um 23 Uhr vorbei.“ Was machen die denn vorher? Käfigkampf? Müssen die sich vier Stunden lang die Schambehaarung abrasieren?

23 Uhr liege ich im Bett. Und das Einzige, was ich dann noch vollsabber, ist mein Kopfkissen.


Nee, Leute. Ich schaffe das alles nicht mehr. Ich bin zu alt für den Scheiß. Vor einiger Zeit war ein Mann bei mir zu Hause. Der hat meine 150 Pillendosen in der Küche gesehen und mich gefragt, ob ich Psychopharmaka nehme. Nee, Pascal. Das sind meine Supplements, weil ich mit Vollgas Richtung Menopause unterwegs bin und die Scheidentrockenheit schon winkt. Ich kann dir inzwischen mit meinem Bartwuchs Konkurrenz machen. Kein Plan, was Mutter Natur sich bei der Scheiße gedacht hat. Die war offensichtlich high auf Pilzen, als sie die Frau erfunden hat. Die ersten Jahre gehen ja noch. Aber bei der späteren Planung muss sie auf einem richtig gruseligen Trip gewesen sein. Und das ist nun mal die traurige Realität einer Frau in den Vierzigern. Ich hab keine Lust, deswegen zu lügen. Ist mir zu anstrengend. Ich brauch meine Kraft, um mir morgens einen fancy Blitz in meinen Damenbart zu rasieren.


Genauso verhält es sich mit dem Thema Sexualität. Am Anfang schreibt man sich ja immer, was man alles miteinander im Bett veranstalten möchte. Was ich per se gar nicht schlecht finde. Das Problem ist nur: Viele Männer scheinen zu glauben, dass es direkt beim ersten Mal ein Feuerwerk der Leidenschaft geben muss. Seit ich wieder date, erzählen mir Männer, was sie alles mit mir anstellen werden und wo sie nicht überall ihren Schwanz hinstecken wollen … ins Ohr, sodass er mir zur Nase wieder rauskommt, und, und, und … Am Ende ist davon fast nie was eingetroffen. Und dann ging für die Herren die Welt unter. So viel Stress und Druck. Wegen mir braucht es das nicht. Es ist doch völlig normal, dass man bei einem neuen Menschen erst mal aufgeregt ist. Sich beim Sex wirklich fallen lassen zu können, braucht Vertrauen und Kommunikation. Das entwickelt sich mit der Zeit. Warum sollte das bei Männern anders sein als bei Frauen?


Aber offene Kommunikation scheint auch hier eine Todsünde zu sein. Ein Mann hat mir mal – in freudiger Erwartung meines unmittelbar bevorstehenden Megaorgasmus – völlig motiviert den Venushügel gerubbelt. Er war dann beleidigt, als ich gesagt habe, dass das ungefähr so erregend ist wie Erdbeeren beim Verschimmeln zuzuschauen und als ich ihm erklärt habe, wo der Kitzler einer Frau eigentlich sitzt. Ja, was soll ich machen? Ich möchte keinen aufgeschürften Venushügel haben, nur weil du den Kitzler nicht findest. Warum sind Männer dann bockig? Versteh ich nicht. Wenn ich Günter das Knie lecke, weil ich glaube, das wäre sein Genital, dann möchte ich doch auch, dass Günter sagt: „Nee, Imke. Bisschen weiter oben bitte. Sonst wird das nix.“ Ich hab dem doch damit geholfen, den nächsten 25 Frauen mehr Glück und Freude zu bereiten. Das kann man doch wohl anerkennen.


Ich war letztens übrigens beim Zahnarzt. Da sagt der zu mir: „Frau Kosel, Ihr Zahnfleisch zieht sich zurück!“ Da hab ich gedacht: Ach … wie meine "Kennenlernphasen" in den letzten Jahren. Da haben sich auch alle zurückgezogen. Und mein Zahnfleisch haben sie offensichtlich gleich mitgenommen. Ich wünsche ihnen und meinem Zahnfleisch alles Gute auf ihrem Weg ins Lummerland. Ich steige zukünftig einfach nur noch mit David Hasselhoff ins Bett und dann looke ich mit ihm for Freedom.


 
 
 

Kommentare


©2022 Imke Kosel

bottom of page